The Way She Moves (Kimberley Jackson)

Kategorie: DRR (Doggett/Reyes Romanze)
Zusammenfassung: Als John Doggett in Südamerika verschwindet, muss Monica Reyes undercover gehen und alles daransetzen, um ihn zurückzuholen. Doch als sie ihn findet, stellt sich heraus, dass er sein Gedächtnis verloren hat…

Rating: NC-17

Mild Sexual Situations.

~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+   PROLOG   ~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+

 „Was???“ Assistant Director Walter Skinner erhob sich abrupt. “Niemals! Dafür hat sie überhaupt nicht die Ausbildung!” Er sah den Mann in Anzug und Krawatte feindselig an.

“Ich denke, es liegt nicht in ihrem Aufgabenbereich, zuzustimmen. Wir haben schon grünes Licht von ganz oben bekommen!”

“Aber sie gefährden Agent Reyes Leben! Sie hat weder die Erfahrung, noch die Ausbildung!”

“Das sagten sie bereits!” Der Mann erhob sich ebenfalls. “Ich will es mal so ausdrücken! Wenn wir nicht etwas unternehmen, werden wir bald alle in Gefahr sein! Agent Reyes ist unsere einzige Option. Sie spricht fließend und akzentfrei spanisch und paßt auch von Aussehen genau.”

In diesem Moment klopfte es an der Tür.

“Herein!” Die beiden Männer blickten die hübsche Agentin an, die eintrat. “Agent Reyes, setzen sie sich!”

Monica schloß die Tür hinter sich. “Haben sie John gefunden?” fragte sie hoffnungsvoll und sah zwischen den beiden Männern hin und her. “Ist er…?”

“Nein. Nein, vermutlich lebt er.”

“Ich verstehe nicht. Wieso sollte ich dann herkommen?” Monica setzte sich auf den ihr zugewiesenen Platz und der geheimnisvolle Mann neben Skinner räusperte sich nun.

“Agent Reyes, sie wissen, was geschieht!”

“Ja, Federal Agents verschwinden bei Einsätzen gegen die Mafia Gruppe.”

“Ja, richtig. Nun, Agent… wir wissen, wo die Agents sind. Sie wurden mit Amnesie in ein kleines Krankenhaus in Südamerika eingeliefert.”

“Was?!” Monica starrte den Mann fassungslos an, dann richtete sie ihren Blick auf Walten Skinner. “Ist das wahr?”

“Ja.” Skinner nickte.

“Darf ich mich vorstellen? Agent Pendrall. Ich arbeite für den CIA! Miss Reyes… ich möchte sie bitten, uns zu helfen!”

“Ich?”

“Ja, sie. Wir brauchen eine weibliche Agentin mit Südstaatenaussehen, die dazu noch akzentfrei Spanisch spricht. Außerdem kennen sie Agent Doggett. Wir werden sie runter nach Sao Paolo schicken. Sie werden sich als John Doggetts Ehefrau ausgeben und ihn und die anderen Agents an uns ausliefern.”

“Ich verstehe nicht… was… wieso macht sich die Mafia so eine Mühe?”

“Sie wollen unsere Regierung infiltrieren!”

Monicas Augen weiteten sich, dann schüttelte sie den Kopf. “Entschuldigen sie, aber für mich klingt das ein bißchen sehr nach Science Fiction!”

“Sie haben sich doch mit den X-Akten beschäftigt!”

“Ja, aber nur ein Jahr lang! Nach dem Tod von Agent Mulder und Agent Scully wurden die Akten geschlossen und unter Verschluß gestellt!”

“Sie haben trotzdem die besten Voraussetzungen für diesen Einsatz.”

“Okay…” Monica schluckte. “Was wäre meine Aufgabe? Ich meine… wie sollte ich vorgehen?”

“Nach ihrem Eintreffen in Sao Paolo fahren sie ins Guinevera Krankenhaus. Sie müssen John Doggett davon überzeugen, daß sie seine Ehefrau sind. Er wird sich an nichts erinnern, ihnen daher also vorerst glauben. Wir haben ihnen eine kleine Wohnung besorgt, dort quartieren sie sich ein. Sie nehmen nur ihren mexikanischen Paß mit, dann wird man sich bei den mexikanischen Behörden nach ihnen erkundigen. Wo sind sie in Mexiko gemeldet?”

“Ähm… bei meinen Eltern!”

“Gut. Sie werden also keinen Verdacht erregen!”

“Sir, bei allem Respekt…” versuchte Skinner noch einmal, wurde jedoch von der erhobenen Hand des Mannes zum Schweigen gebracht.

“John Doggett wird Kontakte zur Mafia haben! Nach seiner Amnesie werden sie sich bei ihm als seine Arbeitgeber vorstellen. Er wird es nicht besser wissen, seinen sie also sehr vorsichtig mit allen Bekanntschaften, die er hat! Lassen sie sich auf keine private Konversation ein, keine Informationen über sich selbst, verstanden? Die kleinste Information könnte den Boß Bertolli darauf stoßen lassen, wer sie sind. Und diese Männer würden nicht mal davor zurückschrecken, eine Frau zu töten.”

Monica starrte ihn an. “Kann ich darüber nachdenken?”

“Ich glaube, sie verstehen nicht!” Agent Pendrall sah sie durchdringend an. “Ich habe von oben grünes Licht! Dieser Einsatz ist ein offizieller Befehl! Fahren sie nach Hause und packen sie ihre wichtigsten Sachen. Keine Waffen, keine Ausweise, keine Dokument… nicht mal ein Buch, verstanden? Nur Kleidung!”

“Sie wollen Agent Reyes ohne Waffen auf diese Leute loslassen!”

“Wir werden in der Nähe sein!” sagte Pendrall genervt in Skinners Richtung. “Wenn sie uns brauchen, dann werden wir es sehen. Sie werden unsere Anweisungen jeden Morgen in ihrem Briefkasten finden, verstanden?”

Monica nickte noch immer völlig überrumpelt und erhob sich dann.

“Gut… dann wird ihre Kontaktperson sie am Flughafen in zwei Stunden erwarten. Ziehen sie sich etwas luftiges an!”

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Damit musterte er ihre Erscheinung wohlwollend. Normalerweise hätte Monica ihn dafür mit Blicken gestraft, so wie sie es bei all den anderen männlichen Agents tat, die ihr anzüglich begegneten, doch jetzt war sie einfach zu konfus.

Daher verließ sie einfach den Raum und ging in das große Büro, wo sie mit vielen anderen Agents zusammen drin arbeitete. Sie packte ihre Sachen von ihrem Schreibtisch zusammen und nahm dann ihre Autoschlüssel.

Seitdem sie Fox und Dana vor über einem Jahr zur Flucht verholfen hatten, arbeitete sie hier in der Abteilung für Ritualverbrechen. John arbeitete in der Abteilung für Gewaltverbrechen, was dazu führte, daß sie oft zusammen an einem Fall arbeiteten. Eigentlich bearbeitete Monica nur die Fälle, wo sie mit John zusammenarbeiten konnte.

Vor zwei Wochen hatte er jedoch einen Undercoverjob auf einem Frachtschiff annehmen müssen. Er hatte ihr nicht viel erzählen können, nur daß es sich um den rätselhaften Tod von zwei Geschäftsmännern und das Verschwinden von vier FBI Agenten die an dem Fall gearbeitet hatten, drehte. Dann war auch John verschwunden und alles was sie bis jetzt erfahren hatte war, daß vermutlich die Mafia ihre Hände im Spiel hatte. Und jetzt auf einmal sollte sie als Undercover Agentin für den CIA einspringen und helfen. Skinner hatte recht. Sie fühlte sich ohne Waffen verdammt unsicher. Außerdem war sie nicht als CIA Agentin ausgebildet worden. Ein kleiner Fehler und es konnte ihren Tod bedeuten… Und sie war sich sicher, daß es viel mehr Fehler zu machen gab, als sie sich überhaupt vorstellte.

 

~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+   TEIL 1   ~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+

 

Heiße Luft wehte über die kleine Rollbahn, auf der die Passagiermaschiene gelandet war, als Monica Reyes aus dem Flugzeug stieg. Sie spürte sofort die heiße Sonne auf ihren nackten Schulter und sah sich nach dem Ausgang um. Dann entschloß sie sich, einfach den Menschen zu folgen.

Als sie aus dem Flughafengebäude austrat, stand sie mitten auf einer belebten Hauptstraße. Um sie herum herrschte reges Treiben. Händler in bunten Hemden versuchten, Touristen zu horrenden Preisen Billiguhren anzudrehen, irgendwo stand eine junge Frau und warb um Freier und kleine Kinder liefen umher und spielten Fangen oder Ball.

Die Eindrücke diese fremden Stadt, ja Kultur waren für Monica nicht so fremd, wie es sie für manche andere Person gewesen wäre. Sie hatte zu lange in Mexiko gelebt und sich dort auch öfter in Slums aufgehalten.

“Verzeihung, könnten sie mich zu dieser Adresse fahren?” fragte sie in fließendem Spanisch einen der Taxifahrer und dieser nickte sofort.

“Bitte steigen sie ein, Senora.”

Während sie durch die Stadt fuhren, besah sich Monica die verschiedenen Gebäude und Viertel durch die sie kamen. Wie sehr sich diese Lebensweisen von denen in den USA unterschieden. Für einen Neuankömmling sah dies alles sicher aus wie das perfekte Chaos durch das niemand durchfinden konnte.

Als sie vor dem Mietshaus hielten, das offenbar die Adresse von dem Zettel war, bezahlte Monica den Fahrer großzügig und stieg dann mit ihrer Tasche aus. Sie fiel kaum auf in diesem Gewirr aus Menschen. Vielleicht war ihre Haut etwas heller, aber ansonsten wirkte sie wie eine Einheimische.

Sie sah auf die Klingelknöpfe und bemerkte sofort den Namen “Reyes”. Umständlich suchte sie die Schlüssel aus ihrer Tasche und wollte gerade aufschließen, als zwei kleine Jungen aus der Tür gestürzt kamen und sie beinahe umrannten. Monica konnte gerade noch zur Seite springen. Den Jungen folgte eine sehr beleibte Frau, die ihnen Beschimpfungen hinterher brüllte, bis die beiden um die nächste Ecke verschwunden waren. Monica schlüpfte schnell in das Haus und sah sich in dem heruntergekommenen Hausflur um. Was gäbe sie nicht alles für ihre schöne kleine Wohnung in Washington D.C. Wieso war sie nicht gegen diesen Einsatzbefehl gegenan gegangen? Sie wußte, daß sie Befehlen zu folgen hatte, aber sobald es um den Einsatz ihres Lebens in einem Undercover Einsatz ging, hatte sie auch das Recht, abzulehnen… vor allem wenn es so gefährlich war, wie dieser Job.

Sie ging die knarrende Treppe hinauf bis in den zweiten Stock und fand sofort ihre Wohnungstür. Sie schloß auf – wobei ihr auffiel, daß es eigentlich egal war, ob diese Tür ein Schloß hatte, oder nicht – und trat ein.

Mit großen Augen sah sie sich in dem spärlich eingerichteten Zimmer um und ließ ihre Tasche fallen. Sollte dies etwa das Wohnzimmer sein? Es bestand nur aus einem Schrank, der aussah, als wäre er vom Sperrmüll geholt worden, einer Couch und einem Wohnzimmertisch aus Holz. Auf der Fensterbank stand ein kleiner Fernseher der aussah, als wäre er aus den fünfziger Jahren.

Monica durchquerte das Zimmer in vier Schritten und öffnete die Tür zum Schlafzimmer. Wie sie es nicht anders erwartet hatte, fand sie hier nur ein Zweierbett und eine kleine Kommode. In die Wand eingebaut war noch ein Kleiderschrank.

Die Küche bestand lediglich aus einer kleinen Nische und mehr als ein Kühlschrank, die kleine Spüle und der alte Ofen hätten wohl auch kaum Platz gehabt.

Das Badezimmer war entgegen ihrer Befürchtungen überraschend sauber. Es war mit schönen Fliesen verlegt und wenn sie es ein wenig geputzt und gescheuert hatte würde es sicher glänzen. Wenn sie bedachte, daß eine solche Wohnung in dieser Stadt schon als Luxuswohnung galt, wurde ihr ganz anders.

Sie räumte ihre wenigen Kleidungsstücke in den Wandschrank und sah dann in der Küche im Kühlschrank nach etwas eßbarem. Lediglich eine Flasche Wasser und etwas Brot waren darin.

Sie würde also als erstes Einkaufen gehen müssen und danach John aus dem Krankenhaus abholen. Sie hoffte, daß dies nicht so schwer sein würde, wie Pendrall es ihr angekündigt hatte.

 

Monica atmete tief ein und zupfte ihr Kleid zurecht, dann öffnete sie die Tür zu dem kleinen Krankenhauszimmer. Sie hatte einen Strauß Blumen in der Hand und ihre Tasche in der anderen.

Der Mann in dem Bett blickte sie fragend an und musterte sie von oben bis unten. Monica hoffte, daß ihm gefiel, was er sah, dann wäre es nämlich leichter, ihn davon zu überzeugen, daß sie seine Ehefrau war.

“Ja bitte?” fragte John auf Englisch und Monica sah ihn an, als würde sie überhaupt nichts verstehen.

“Ist das deine Art Hallo zu sagen?” Sie ging zu dem Bett und küßte John leicht auf die Wange.

“Ich verstehe nicht… Wer sind sie?”

Monica setzte sich auf den kleinen Stuhl neben dem Bett und sah ihn ernst an.

“John, ich bin es, Monica!”

“Monica wer?”

“Deine Frau Monica!” Er starrte sie verblüfft an, dann rieb er sich die Schläfen. “Ich kann mich an nichts erinnern! Ich weiß ja nicht einmal, wie es zu diesem Unfall kam! Wieso sind sie erst jetzt hergekommen? Ich bin seit über einer Woche hier!”

“Ich habe dich überall gesucht! Niemand konnte mir etwas über dich sagen… nun, durch Zufall hörte ich von der Schwerster, daß hier ein Mann eingeliefert worden ist, der auf meine Beschreibung paßte.” Sie suchte eine kleine Vase und füllte sie im Bad mit Wasser. Dann trat sie wieder zurück nach draußen. “Du weißt ja nicht, was ich mir für Sorgen gemacht habe. Ich dachte, ich hätte dich verloren!” Das stimmte ausnahmsweise und es fiel ihr nicht besonders schwer, hier zu schauspielern.

Er beobachtete, wie sie die Vase mit Blumen auf seinen Nachttisch stellte und dann zum Fenster ging, um es zu öffnen. Irgend etwas an der Art, wie sie sich bewegte, kam ihm bekannt vor. Er hatte das Gefühl, sie kennen zu müssen. Diese wunderschönen braunen Haare, die sich in sanften Wellen um ihre nackten Schultern schmiegten und dann das enge Kleid, das ihre perfekte Figur voll zur Geltung brachte. Ganz sicher, er kannte sie… aber war sie seine Ehefrau? Irgend etwas tief in ihm zweifelte daran. Nicht, weil er es sich nicht vorstellen konnte, im Gegenteil, sondern weil irgend etwas da war, daß ihm sagte, daß sie log.

“Dein Name ist John Doggett!” erklärte Monica. “Soviel die Schwester sagte, hast du sogar deinen Namen vergessen gehabt! Was hast du bloß so spät in der Nacht am Strand gemacht?”

“Ich hatte gehofft, du könntest mir das sagen!” antwortete er und sie erwiderte seinen Blick warm. Gut, er hatte sie geduzt. Das bedeutete, daß er ihr wenigstens den Part mit der Ehefrau abnahm… hoffte sie zumindest.

“Du kamst nicht von der Arbeit nach Hause!” Monica setzte sich wieder auf den Stuhl an seinem Bett. “Und eben gerade erzählte mir die Schwester, ein Mann hätte dich nachts am Strand gefunden.”

Sie strich sich eine Strähne ihres Haares hinter die Ohren und erschrak, als John ihr Handgelenk packte und ihre Hand betrachtete. Gut, daß sie daran gedacht hatte, einen Ring zu kaufen.

“Was ist?” fragte sie verunsichert und zeigte ihr seine Hand.

“Wieso trage ich dann keinen Ehering, wenn ich verheiratet bin?”

“Aber das hast du getan!” Sie nahm seine Hand und strich sanft darüber. “Du mußt ihn im Meer verloren haben.”

“Was tue ich beruflich?”

Monica zuckte die Schultern. “Du hast mir nie von deiner Arbeit erzählt, sondern immer gesagt, ich solle mich heraus halten.”

“Und was tust du?”

“Oh, ich habe bis vor einem halben Jahr in diesem Modegeschäft gearbeitet, aber seitdem ich dort rausgeflogen bin, bin ich nur noch zu Hause, das weißt du doch! Wir haben uns gerade eine neue Wohnung genommen, weil wir uns nicht mehr soviel leisten können!”

Wenn sie eine Lügnerin war, dann doch auf jeden Fall er sehr schöne. Er dachte nach. Das was sie gesagt hatte, stimmte mit dem überein, was die beiden Männer ihm heute Morgen eröffnet hatten. Er war Geschäftsmann, in dunkle Geschäfte verwickelt, und durfte mit niemandem über seine Arbeit reden. Trotzdem, auch wenn sie ihm jetzt das gleiche sagte, irgendwie war er sich sicher, daß es nicht stimmte.

“Wieso wohne ich hier und kann aber nur Englisch sprechen?”

“Nun, wir haben vor einem Jahr geheiratet und sind dann hierhin gekommen. Du arbeitest hauptsächlich mit Amerikanern und mußt deswegen nicht viel lernen. Ich stamme aus Mexiko…”

“Wieso sprichst du dann akzentfrei Englisch?”

“Weil… ich ging auf eine zweisprachige Schule. Meine Adoptiveltern sind Mexikaner aber soviel ich weiß waren meine richtigen Eltern Amerikaner und deswegen sollte ich beide Sprachen beherrschen.” Das war nicht gut. Sie erzählte zu viel über sich. Sie mußte sehr vorsichtig sein und warten, bis John ihr völlig vertraute, sonst würde er mit seinen Arbeitgebern sprechen. “Wenn du willst, kannst du mit nach Hause kommen! Ich habe mit der Schwester gesprochen und jetzt, wo deine Identität geklärt ist, sind sie einverstanden, dich nach Hause zu schicken.”

Er nickte einfach nur stumm und beobachtete, wie sie sich erhob und zur Tür ging. “Dann lasse ich dich kurz alleine, um mit der Schwester die Papiere zu unterschreiben! Ich erwarte dich dann draußen!”

Er beobachtete, wie sie den Raum verließ und dachte wieder, daß er sie kennen müßte. Vielleicht war sie ja wirklich seine Frau. Das würde auch erklären, wieso er das Gefühl hatte sie zu kennen. Außerdem war sie wirklich umwerfen hübsch und genau sein Typ… wieso assoziierte er dann mit dem Wort Ehefrau eine blonde Frau??? Nun, er würde sie auf die Probe stellen und wenn sie nicht seine Ehefrau war, würde sie auffliegen und dann Gnade ihr Gott…

 

“Was?” Die Stimme am anderen Ende des Apparates schien völlig außer sich. “Sie sind wo?”

“Ich sagte, ich bin jetzt wieder zu Hause. Meine Frau hat mich abgeholt!” John hatte seine Stimme gesenkt und drehte die Visitenkarte, die der Mann ihm im Krankenhaus gegeben hatte, in seinen Händen. Er hörte, wie sein Gesprächspartner mit jemandem auf Spanisch sprach, dann meldete er sich wieder.

“John, sie haben keine Ehefrau!”

“Nun, vielleicht täuschen sie sich!”

“Wenigstens haben sie nie über ihre Ehefrau gesprochen!”

“Wie auch immer, ich bin jetzt wieder zu Hause.”

“Wie ist die Adresse?”

“Sie wissen nicht, wie die Adresse ist?” John blickte fassungslos aus dem Fenster und erblickte dann Monica, die mit nassen Haaren und einem Handtuch um den Körper aus dem Bad kam. Meine Güte, sie war einfach umwerfend. Wenn sie wirklich seine Frau war, dann war er ein echter Glückspilz. “Sie sind mein Arbeitgeber und kennen meine Adresse nicht?”

“Doch, wir haben hier eine!” John lauschte auf die Adresse, die ihm durchgegeben wurde und lachte auf.

“Das wird meine alte Adresse sein! Meine Frau und ich sind jetzt erst umgezogen!” Er gab dem Mann die neue Adresse und verabschiedete sich dann. Nachdenklich blickte er auf das Telefon, dann auf Monica, die nun in einem Bademantel aus dem Schlafzimmer kam.

“Mit wem hast du telefoniert?”

“Ach, nur mit ein paar Freunden…” wich er aus und ging zu ihr. Monica sah ihn unsicher an und wich leicht zurück, als sein Finger über ihre Wange strich. “Was hast du?”

“Ich… nichts!” Sie lächelte. “Aber du solltest dich vielleicht ausruhen! Heute ist ja einiges passiert…” Außerdem war sie selber auch todmüde.

Er zog die Augenbrauen hoch. Sie wich also zurück, wenn er sie berührte. Wer war sie? Sie tauchte plötzlich auf und gab sich als seine Ehefrau aus… nun gut, vielleicht war sie es wirklich, aber wieso wußte dann keiner seiner Arbeitgeber etwas von ihr?

Er beobachtete, wie sie ihre nassen Haare nach oben steckte und dann an ihm vorbei in die Küche ging. Verwirrt sah sie ihn an, als sie merkte, daß er ihr mit Blicken folgte.

“Was hast du?”

“Nun, um ehrlich zu sein, ich bin mir immer noch unklar darüber, ob du wirklich meine Ehefrau bist!”

“John!” Monica lachte. “Dies alles hier reicht dir noch nicht als Beweis?” Sie gähnte verhalten. “Hör zu, ich bin wirklich müde! Können wir morgen darüber sprechen?”

“Morgen… ja! Ich muß um neun Uhr zur Arbeit.”

Sie sah ihn verwirrt an. “Was?”

“Wieso überrascht dich das?”

“Ich… ich… bin nicht überrascht!” verbesserte sie sich schnell. “Ich dachte nur, du könntest ein paar Tage Urlaub machen. Ich habe dich doch gerade erst wiederbekommen. Du kannst dich noch nicht einmal erinnern… du solltest warten, bis es dir besser geht!”

“Die Ärzte sagten, daß ich meine Erinnerung vielleicht nie mehr wiederbekomme. Ich glaube, das beste ist, wenn ich einfach mein normales Leben wieder beginne. Irgendwann werden die Erinnerungen von ganz alleine wiederkommen…”

Monica beobachtete, wie er ins Badezimmer ging und wartete, bis er die Tür geschlossen hatte, dann flitzte sie zum Telefon und drückte die Wahlwiederholung. Blitzschnell schrieb sie sich die Nummer auf und schaltete das Telefon dann wieder aus. Die Männer, die ihn jetzt angestellt hatten waren der Schlüssel zu der ganzen Affäre und möglicherweise auch zu den anderen Agenten. Sie ließ den Zettel mit der Nummer in ihrer Tasche verschwinden und ging dann ins Schlafzimmer. Dort zog sie sich ihre Unterwäsche an und dachte nach. Sie würde John kaum überreden können, auf dem Sofa zu schlafen und es wirkte sehr auffällig, wenn sie auf dem Sofa schlief. Nun, das Bett war ja breit genug…

Sie legte sich auf ihre Seite und schloß die Augen. Sie war wirklich unglaublich müde.

Sie hörte nicht einmal mehr, wie John das Zimmer betrat. Er sah sie nachdenklich an und ging dann zu ihr. Sanft strich er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Sie war wunderschön. Vielleicht war gerade das der Grund, warum er sie niemals erwähnt hatte. Vielleicht hatte er sie einfach nicht in seine Geschäfte mit reinziehen wollen.

Merkwürdig. Noch immer behagte ihm der Gedanke nicht, daß er für die Mafia Geld wusch und auch öfter andere Aufträge erledigte. Wieso hatte er sich jemals darauf eingelassen? Das ging doch völlig gegen seine Prinzipien! Aber was waren seine Prinzipien eigentlich? Sie gehörten seiner Vergangenheit an, und möglicherweise hatte er da vieles getan, was er jetzt nicht wahr haben wollte…

 

„Was soll das heißen, seine Frau?“ Der Mann zündete sich eine Zigarre an und blickte sein gegenüber beherrscht an. Er war groß und bullig, die öligen schwarzen Haare zu einem Zopf im Nacken gebunden.

„Ich kann nur sagen, was ich von ihm weiß, Boß. Er sagte, er sei jetzt wieder zu hause bei seiner Frau!“

„Wo kommt diese Frau her? Wer ist das?“

„Wir wissen nichts über sie, aber sie scheint unsere Geschichte bestätigt zu haben!“

„Soll das heißen, sie unterstützt uns?“

„So scheint es, ja!“

Carlos Bertolli schlug auf den Tisch. „Ich will wissen, wer sie ist! Es könnte eine Falle sein! Immerhin ist dieser Mann FBI Agent! Ich werde mit ihm ein ernstes Wort reden, und du stattest morgen dieser Frau einen Besuch ab! Nimm zwei von den Männern mit und mach ich klar, was passiert, sollte sie irgendwie gegen uns arbeiten, verstanden?“

„Ja!“

„Aber hinterlaßt keine Spuren!“

Bertolli sah zu, wie der Mann das Zimmer verließ und nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarre. Er mußte wohl einmal wieder mit seinem Spitzel beim FBI in Kontakt treten und ihn fragen, was die Regierung plante…

 

„Guten Morgen!“

Monica sah lächelnd auf John, der gähnend aus dem Schlafzimmer trat. Sie stellte die Butter auf den kleinen Wohnzimmertisch und ging dann zurück in die Küche. John folgte ihr mit seinen Blicken. Sie trug ein dunkelrotes Kleid mit Sonnenblumenmuster und lief barfuß. Ihr Haare hatte sie im Nacken zusammengebunden.

„Ich habe Brötchen geholt…“ Sie schwenkte die kleine Tüte und sah ihn dann irritiert an. „Was ist?“

„Nichts…“ Damit ging er ins Bad und Monica sah ihm irritiert nach. Erinnerte er sich an sie? Er sah sie schon die ganze Zeit über so merkwürdig an. Was wäre, wenn er sich plötzlich erinnerte. Sie hatte keine Ahnung, wie ihre Anweisungen für den Fall aussahen.

Langsam trat sie ans Fenster und blickte in die kleine Gasse hinab. Die Sonne schien bereits heiß vom Himmel obwohl es erst halb neun war. Es war bereits so warm, daß sie in ihrem dünnen Kleid nicht einmal fror.

Sie drehte sich um und kniete sich auf den Boden vor den Tisch. Vorsichtig goß sie den frischen Kaffee in die beiden Tassen und lief dann zurück in die Küche um Milch zu holen. Sie suchte im Schrank nach einem kleinen Töpfchen und goß ein wenig Milch hinein, dann brachte sie diese zurück zum Wohnzimmertisch. Ja, das sah schön aus. Sie seufzte wehmütig. Wie oft hatte sie sich vorgestellt, wie es wäre, für John Frühstück zu machen. Sie liebte ihn und es hatte ihr fast das Herz gebrochen, als die Abteilung der X-Akten aufgelöst worden war und man sie verschiedenen anderen Abteilungen zugeteilt hatte.

Monica zuckte zusammen, als sie Johns Hand auf ihrer Taille fühlte und fuhr herum.

„Ich hab dich gar nicht gehört!“ Verunsichert sah sie ihn an. Ihre Oberkörper berührten sich beinahe, so dicht standen sie voreinander. „Ich habe Frühstück gemacht… ich hoffe, du magst es!“

John sah sie durchdringend an und setzte sich schließlich an den kleinen Tisch. Monica nahm ihm gegenüber Platz und reichte ihm die Milch für seinen Kaffee. Er trank seinen Kaffee immer mit Milch, das wußte sie. Er nahm dankend die Milch und goß sich etwas davon ein, dann sah er sie an.

„So, Monica… was wirst du heute tun!“

„Oh, ich wollte schauen, ob ich ein paar hübsche Vorhänge für das Fenster bekomme!“ Sie deutete auf das gardinenlose Glas.

Er schmunzelte. Sie schien wirklich die perfekte Ehefrau zu sein… zu perfekt nach einem Jahr Ehe.

„Darf ich dich etwas fragen? Wieso siehst du mich immer so an?“ fragte Monica nun endlich, nachdem sie Johns Blick bemerkt hatte.

„Nun, ich sehe dich immer so an, weil ich denke, daß du eine raffinierte, wenn auch sehr hübsche Lügnerin bist!“

Die Frau verschluckte sich beinahe an ihrem Kaffee und hatte Mühe, Luft zu bekommen.

„Was?“

John schmunzelte. „Ich weiß nicht, wer du bist, Monica Reyes, aber du bist ganz bestimmt nicht meine Frau!“

„Willst du die Scheidung?“ brachte sie hervor und klammerte sich an ihre Behauptung, daß sie verheiratet waren. Sie mußte ihren Anweisungen folgen.

„Nein…“ John schüttelte den Kopf. „Ich finde den Gedanken mit dir verheiratet zu sein sehr reizvoll… ich sage ja nur, daß wir vor drei Tagen sicher noch kein Ehepaar waren!“

„Doch! Seit dem 14. August 2001.“

„Dann beantworte mir eine Frage… Liebes!“ Er betonte diesen Kosename so ironisch, daß Monica überlegte, ob sie die Frage überhaupt hören wollte.

„Wieso haben wir verschiedene Nachnamen?“

„Weil…“ Touche. Wie sollte sie ihm das erklären? Das war wieder typisch Regierung. Sie bekam ihre anweisungen und mußte sehen, wie sie damit klar kam. „Weil ich es so wollte!“

„Und wieso?“

„Wir hatten uns darauf geeinigt, damit ich nicht automatisch vom Namen her mit dir assoziiert werde. Du sagtest damals, es wäre besser für mich!“

Verblüfft sah er sie an und begann an seiner Theorie, daß sie nicht seine Ehefrau war, zu zweifeln. Entweder war sie wirklich raffiniert, oder sie war gar keine Lügnerin. Sein blick fiel auf die Uhr.

„Ich muß jetzt gehen! Ich weiß noch nicht, wann ich wiederkomme… aber freu mich auf heute abend!“

Monica hörte auf zu kauen und sah ihn erschrocken an. Er grinste amüsiert und verließ dann die Wohnung. Meine Güte, das hatte er doch nicht wirklich so gemeint, wie sie es aufgefasst hatte, oder? Sicher nicht. Er konnte sich ja nicht einmal an sie erinnern. Er würde kaum auf die Idee kommen, sie küssen zu wollen… oder sogar mehr.

Sie aß ihr Brötchen zu Ende und nahm dann ihre Schlüssel. Sie mußte zum Briefkasten und nach den neuesten Anweisungen schauen. Gähnend lief sie die Treppe im Hausflur hinab und schrie auf, als sie plötzlich zur Seite gezogen und gegen die kalte Steinwand des Flures gepresst wurde.

„Miss Reyes nehme ich an!“ wurde sie auf Spanisch angesprochen.

„J-Ja!“ Monica nickte und sah zwischen den drei Männern hin und her. Einer von ihnen trug eine Waffe an seinem Gürtel und sie erschauderte.

„Ich habe gehört, sie seien mit unserem Freund John Doggett ‚liiert‘! Wie waren denn die Flitterwochen so?“ Ironisch sah er sie an. Monica schwieg und erwiderte seinen Blick aus vor Wut funkelnden Augen. „Wir sind ihnen ja dankbar, daß sie sich seiner angenommen haben, aber ich warne sie…“ Er strich über ihren Hals. „Wenn sie versuchen, sich uns oder ihm in den Weg zu stellen, oder ich erfahre, daß sie Spionin oder etwas ähnliches sind, könnte es sein, daß ich ihnen ihr hübsches Genick breche! Und wenn ich nachdenke fallen mir bestimmt noch andere, reizvollere Sachen ein…“ Seine Hand strich weiter hinab über ihr Dekollete. Monica schlug wütend seinen Arm weg.

„Ich verstehe nicht, was sie von mir wollen!“

Hart packte der Mann sie an den Haaren. „Wir wollen, daß du die Klappe hältst und dich aus seinen Angelegenheiten raushältst, verstanden? Verhalte dich wie eine Ehefrau und kümmere dich um deine Sachen! Wenn du dich daran hältst, werden wir keine Probleme miteinander bekommen!“

„Okay…“ nickte Monica und fühlte erleichtert, wie sie losgelassen wurde.

„Durchsucht sie und dann lasst uns gehen.“ Der zweite der Männer packte sie und durchsuchte sie. Monica schrie wütend auf und beschimpfte die Männer mit allem, was sie an spanischen Flüchen drauf hatte. Erst als einer der Männer ihren Pass hatte, ließen sie sie los.

„Wir werden uns das vorläufig ausleihen!“

„Stehlen wäre wohl eher das richtige Wort! Geben sie mir…“

Sie schrie auf, als einer der Männer sie so hart ins Gesicht schlug, daß sie gegen die Wand taumelte. „Wir haben dir ja gesagt, mach uns keine Probleme und wir werden uns gut verstehen!“

Monica blieb zurück, hielt sich die brennende Wange und starrte den Männern einfach hinterher. Sie fühlte ein leichtes Pochen und öffnete den Briefkasten. Er war leer.

„Na toll…“ murmelte sie und ging dann zurück in die Wohnung um sich etwas Eis auf die Wange zu legen, denn sonst würde sie John ganz sicher ein blaues Auge erklären müssen.

 

„Mein Paß ist weg!“ Monica sprach leise und sah sich in der belebten Straße um. Sie stand an der kleinen Telefonsäule am Straßenrand und hielt die Hand vor den Mund.

„Was?!?“ Die Stimme auf der anderen Seite schien außer sich zu sein. „Miss Reyes, dies ist ein ernstzunehmender Undercover Job und sie lassen sich ihren Paß klauen?“

„Sir, das ist alles nicht so einfach, wie sie sich das vorstellen! Offenbar werde ich überprüft… und John Doggett nimmt mir nicht ab, daß ich seine Ehefrau bin!“

„Agent Reyes, wenn diese Angelegenheit zu schwer für sie ist…“

„Sir, ich gebe mein bestes! Ich verlange doch nur etwas mehr Unterstützung!“

„Na schön! Kommen sie morgen Vormittag in das kleine Café an der Zentralbank und setzen sie sich einfach hin! Wir klären das weitere!“ Damit legte die andere Seite einfach auf. Fassungslos blickte Monica auf den Hörer und fluchte dann leise. Was fiel diesen Typen eigentlich ein? Erst schickte man sie hierher und jetzt überließ man sie ihrem Schicksal? Sie hatte Angst davor, daß ihr Paß doch etwas aufdecken würde…

 

John Doggett blickte den Mann, der sich ihm im Krankenhaus als Carlos Bertolli vorgestellt hatte, verwirrt an, als dieser ihm einen Pass reichte.

„John! Hier… bevor sie nach Hause gehen… und bestellen sie ihrer Frau einen schönen Gruß von uns!“

John sah auf den Pass und erblickte Monicas Foto. „Wie haben sie…?“

„Nun, meine Männer haben ihr heute einen kleinen Besuch abgestattet. Sie soll sehr reizend sein, ihre Gattin, aber etwas aufbrausend. Ich denke, sie haben ihr klar gemacht, wie sie sich zu verhalten hat!“

John funkelte ihn an. „Was haben sie ihr angetan?“

„Nichts!“ Bertolli zog eine Zigarre aus seinem Etui und zündete sie sich ruhig an. Dann blickte er John an. „Aber passen sie auf sie auf, wenn sie nicht wollen, daß ihr etwas passiert!“

„Wollen sie mir drohen?“

„Nein…“ Der Mann legte einen Arm um John. „Ich wollte sie nur warnen! Manchmal reagieren meine Männer etwas… voreilig! Sagen sie ihr, sie soll sich aus unseren Geschäften raushalten und sie werden ein glückliches Eheleben führen.“

„Verstanden!“ presste John hervor und Bertolli klopfte ihm auf die Schulter.

„Ich wußte doch, daß ich mich auf sie verlassen kann!“

John verließ das Zimmer und steckte Monicas Paß ein. Er war wütend. Was fiel diesen Männern ein, einfach in sein Haus einzudringen und seine Frau zu bedrohen… ob sie nun seine Frau war, oder nicht!

Nachdenklich zog er den Paß wieder hervor. Ein mexikanischer Paß… alles was sie über sich gesagt hatte, schien zu stimmen. Nun, vorausgesetzt, dieser Paß war nicht gefälscht worden. Er blickte auf das Bild und ganz plötzlich drängte sich ein anderes Bild vor seine Augen. Er sah Monica, wie sie mit einer Waffe in der Hand vor ihm stand… eine Waffe… Er schüttelte den Kopf. Wieso sollte Monica mit einer Waffe umgehen können?

Die Sonne schien noch sehr intensiv, als er um kurz nach sechs nach Hause kam. Monica kam ihm entgegen und er bemerkte, daß ihre Wange leicht geschwollen war.

„Hier!“ sagte er sanft und reichte ihr den Paß. Dann berührte er zärtlich ihre Wange. „Tut mir leid, ich wußte nichts davon!“

„Oh, es war nicht schlimm!“ Monica lächelte und drehte sich dann um, um ihren Paß wieder an seinen Platz in ihrer Geldbörse zu bringen.

John beobachtete, wie sie sich bewegte und wieder schien tief in ihm eine Erinnerung heraus brechen zu wollen. Er kannte sie, aber nicht als Ehefrau… Reyes… Es war ihm, als wäre eine Erinnerung zu Greifen nah, doch als er versuchte sie zu packen, war sie wieder verschwunden.

„Monica, hast du eigentlich eine Waffe?“

„Was?“ Sie lief an ihm vorbei in die Küche, als wüßte sie nicht wovon er sprach, doch in ihr krampfte sich alles zusammen. Meine Güte, die Männer hatten herausgefunden, wer sie war.

„Ob du eine Waffe hast?“

„Wieso sollte ich…“ Sie nahm etwas Wasser aus dem Kühlschrank und goß es in ein großes Glas. „Ich gebe zu, manchmal ist etwas gefährlich hier auf den Straßen, aber findest du das nicht etwas übertrieben?“

„Natürlich!“ nickte er und beobachtete sie nachdenklich.

„Nun, ich bin keine sehr gute Köchin, deswegen dachte ich, wir könnten heute abend vielleicht irgendwo anders essen!“ Sie stellte das Glas in die Spüle und räumte dann das Wasser zurück in den Kühlschrank. „Ich meine, wir können natürlich auch hierbleiben, aber ich dachte, wir schauen uns unsere Gegend an!“

Wie sinnlich sie sich bewegte… er war sich sicher, daß dies keine Absicht von ihr war. Wahrscheinlich wußte sie nicht mal, wie sie auf ihn wirkte. Er hatte heute tagsüber öfter an sie denken müssen, als ihm lieb war. Er hatte sich gefragt, ob ihr Haar wirklich so seidig war, wie es aussah und ob ihre Lippen auch so weich und sinnlich küßten…

„John!“

„Äh… ja?“ Er sah sie an.

„Ich habe gefragt, was dir lieber wäre, Bar oder Restaurant, aber du hast mir nicht mal zugehört!“

„Doch! Doch, ich habe zugehört! Ich denke, wir schauen uns eines dieser abendlichen Straßenfeste an und essen irgendwo auf dem Weg etwas!“

Sie legte den Kopf schien und schien nachzudenken, dann nickte sie schließlich.

„Okay… dann ziehe ich mir schnell etwas anderes an und dann…“ Sie schrie erschrocken auf, als er sie am Handgelenk packte und in einem innigen Kuß an sich zog. Sofort wich sie zurück und starrte ihn völlig verwirrt an. Was sollte sie jetzt tun? Na toll… die Theorie war gewesen, daß John so verwirrt über die Amnesie sein würde, daß ihm nicht einmal die Idee käme, ihr zu Nahe zu kommen… und jetzt???

„Was ist denn?“ fragte er amüsiert. „Du benimmst dich, als hättest du mich noch nie zuvor geküßt!“

„Nein… nein, das kam nur so… überraschend!“

„Nun… ist das jetzt weniger überraschend?“ Er näherte sich ihren Lippen, doch Monica hielt ihn zurück. Meine Güte, wie sehr hatte sie sich immer gewünscht, John würde sie küssen, aber sie wollte es doch nicht so! Nicht, wenn er sich nicht einmal an sie erinnerte! Sie kam sich dabei erbärmlich vor und wenn sie diese Situation jetzt ausnützen würde, käme sie sich sogar mehr als nur erbärmlich vor.

„John… ich habe dir etwas verschwiegen, aber ich denke, jetzt wäre der Punkt, um es dir zu sagen.“

Interessiert sah er sie an. Jetzt kam sie also endlich auf den Punkt. Er hatte gewußt, daß sie spätestens einen Rückzieher machen würde, wenn er sie küssen wollte, wenn sie nicht seine Ehefrau war. Nun, daß es so einfach war, hätte er nicht gedacht.

„Unsere Ehe… war nicht mehr ganz so heile, wie es dir vielleicht erscheinen mag.“

„Oh…“ sagte er beinahe enttäuscht. Er hatte etwas völlig anderes erwartet. „Wieso?“

„Nun, weil… ich wollte kinder und du nicht… und dann haben wir uns nur noch gestritten!“

„Nun…“ Er dachte nach. „Das sollte kein Problem mehr darstellen. Von mir aus, können wir so viele Kinder haben, wie du magst…“

„Andersrum…“ ächzte Monica erschrocken und wich vor ihm zurück. „Ich wollte keine Kinder…“

„Was?“ John schmunzelte amüsiert. „Erst sagst du, ich will keine Kinder, und dann plötzlich du…“

„Ich hab es verwechselt!“

„Weil das natürlich auch so schwer zu verwechseln ist!“ Er nickte, sah sie aber völlig ernst an. Sogar wenn sie log, war sie so unglaublich sexy, daß er sie am liebsten jetzt sofort gepackt hätte und… Er räusperte sich. „Wollen wir gehen? Wir wollen doch noch etwas von dem Fest mitbekommen, oder?“

Sie war sichtlich verblüfft über den plötzlichen Themenwechseln, floh dann aber beinahe erleichtert mit den Worten „Ich ziehe mich schnell um!“ ins Schlafzimmer und schloß die Tür hinter sich. Amüsiert lachend sah er ihr nach. Merkwürdig, daß er ihr vertraute, obwohl sie nicht die Wahrheit sprach, aber irgend etwas tief in ihm sagte ihm, daß sie nicht log, um ihm zu schaden…

 

~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+   TEIL 2   ~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+

 

Das Treffen mit den Kontaktmännern wurde zum Desaster. Obwohl Monica fast vier Stunden in dem vereinbarten Café saß geschah überhaupt nichts und in ihr verhärtete sich langsam der Verdacht, daß etwas nicht stimmte an diesem ganzen Einsatz.

Schließlich war Monica wieder nach Hause gegangen und hatte versucht, sich nicht die ganze Zeit über zu sorgen. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie sich John gepackt und wäre sofort wieder zurück nach Washington geflogen, doch sie wußte erstens nicht, wie sie ihm das erklären sollte, zweitens hatte sie nicht einmal annähernd genug Geld um das Flugticket bezahlen zu können und ihre FBI Kreditkarte hatte sie nicht mitnehmen dürfen, da sie auf ihre wahre Identität schließen ließ.

Das Rückflugticket sollte ihr von ihren Kontaktmännern zum gegebenen Zeitpunkt überreicht werden, doch nun schien es, als wenn ihre Kontaktpersonen sie im Stich gelassen hätten. Sie verstand dies alles nicht. Jeden Tag versuchte sie, die Nummer anzurufen, die man ihr gegeben hatte und jeden Tag kam aufs neue die Durchsage „Die gewählte Nummer ist leider nicht vergeben!“. Die Nummer war also abgeschaltet worden.

Monica ließ entmutigt den Hörer auf die Gabel zurück sinken und sah sich in dem Gewühl aus Menschen um. Man hatte sie einfach im Stich gelassen… in einem fremden Land in den Händen der Mafia. Seit sieben Tagen saß sie nun bereits hier fest und langsam begann ihr Geldvorrat knapp zu werden. Sie griff in ihre Tasche und zählte die Münzen, die sie noch hatte, dann warf sie beinahe alle ein und wählte die Vorwahl für die USA und Washington, danach die Durchwahl zu AD Skinners Büro.

„Skinner…“

Monica war überrascht, den AD persönlich am Apparat zu haben, denn eigentlich hatte sie damit gerechnet, erst mit Kimberley, seiner Sekretärin reden zu müssen.

„Assistant Director!“

„Agent Reyes!“ Skinner senkte die Stimme. „Agent, sind sie verrückt geworden? Sie wissen, daß sie sich nicht bei mir melden dürfen. Wenn der CIA…“

„Sir, ich habe nicht viel Geld, also lassen sie mich ihnen kurz etwas erklären! Meine kontaktpersonen sind spurlos verschwunden!“

„Was? Seit wann…“

„Seit sechs Tagen bereits! Es scheint so, als wäre ich hier völlig auf mich alleine gestellt!“

Es folgte eine lange Pause, dann hörte sie wie Skinner tief einatmete. „Ich habe so etwas befürchtet. Hören sie zu, möglicherweise war das ganze eine riesige Falle. Sie müssen so schnell wie möglich versuchen, zurück zu kommen… mit Agent Doggett!“

„Sir, ich habe weder Geld noch einen Pass, der mich zur Einreise in die USA befugen würde! Ich habe nur meinen mexikanischen Pass und sie wissen…“

„Hören sie zu, ich werde so schnell wie möglich versuchen, eine Sondergenemigung für sie zu bekommen! Außerdem werde ich ihnen etwas Geld zukommen lassen…“

„Sir, ich muß Schluß machen! Ich glaube, ich werde beobachtet!“ Monica sah mißtrauisch auf die beiden Männer, die auf der anderen Seite der Straße in einem Kaffee saßen und Karten spielten, sie dabei aber immer wieder verstohlen beobachteten. „Ich melde mich wieder bei ihnen!“ Damit hängte sie auf und wählte dann die Nummer von ihrer Wohnung. Sie ließ es ganz durchklingeln und hängte wieder auf. Wenn die Männer jetzt die Wahlwiederholung betätigten, würden sie nicht wissen, daß sie das FBI angerufen hatte. Sie tat so, als würde sie völlig unbeschwert die Straße entlang schlendern, um kein aufsehen zu erregen.

Eine Falle… was hatte Skinner damit gemeint? Nun, wenn es eine Falle gewesen war, so war sie gut gewesen. Mit ihrem mexikanischen Paß hätte sie kaum eine Chance irgendwohin zu kommen, außer nach Mexiko, und bis sie dort die Behörden davon überzeugt hatte, ihre amerikanische Staatsbürgerschaft nachzuprüfen, waren sicher auch einige Tage, wenn nicht sogar Wochen vergangen.

Sie saß hier fest, und John höchstwahrscheinlich auch. Nur daß er nichts davon wußte… was wahrscheinlich sogar ein Glück war.

Sie tat so, als würde sie interessiert ein paar Schuhe ansehen und sah sich mißtrauisch um. Die beiden Kartenspieler waren jetzt bei der Telefonzelle. Ihre Vermutung war also richtig gewesen. Sie mußte sehr vorsichtig sein…

Auf dem schnellsten Wege ging sie zurück zu ihrer Wohnung. Jetzt war rationales Denken angesagt. Sie mußte versuchen, einen Plan zu entwickeln, um John aus der Mafia raus zu holen und mit ihm aus diesem Land zu verschwinden und zwar ohne, daß es nachvollzogen werden konnte.

Sie trank einen Schluck kühles Wasser und sah dann nachdenklich aus dem Fenster.

„Shit…“ murmelte sie als sie die beiden Männer in der Gasse herumlungern sah und trat schnell vom Fenster weg. Offensichtlich wurde sie beobachtet. Das war ganz und gar nicht gut. Das hieß, man wußte eventuell, wer sie war.

Sie ging ins Schlafzimmer und zog sich ihr Kleid aus, dann suchte sie im Schrank nach anderer Kleidung. Sie brauchte irgend etwas völlig anderes womit sie sich vielleicht verkleiden konnte. Hatte sie den nichts außer dieser bunten Kleider und einer Jeans mitgenommen?

„Monica…“

Erschrocken fuhr die Frau herum und starrte John an. „Hast du mich erschreckt! Was machst du denn hier?“

„Ich wohne… hier…“ Er konnte nicht anders als sie anzustarren. Monica schüttelte verwirrt den Kopf.

„Was… oh…“ Sie sah an sich herab und erst jetzt fiel ihr auf, daß sie nur mit ihrer Unterwäsche bekleidet war. „Ich… ich war gerade dabei, mich… umzuziehen…“ Sie hoffte, daß ihre Wangen nicht so rot wurden, wie es sich anfühlte und zog das nächstbeste Stück Stoff aus dem Schrank, was sie in die Hände bekam. Sie versuchte, es sich anzuziehen und erst da fiel ihr auf, daß es kein Kleid, sondern nur ein Rock war.

John war fasziniert. Meine Güte, alles war er bis jetzt über sie gedacht hatte, war maßlos untertrieben. Sie war nicht nur schön, sie war unglaublich atemberaubend. Mit zwei Schritten war er bei ihr und nahm ihr das Kleidungsstück aus der Hand, dann zog er sie an sich und nahm fordernd ihren Mund in Besitz. Er zog sie zum Bett und ließ sich mit ihr darauf fallen, dann wurde sein Kuß zärtlicher, verführender.

„John…“ Monica drehte ihren Kopf zur Seite und er liebkoste ihre Wange. So war das nicht geplant gewesen. Sie legte ihre Hände auf seine Schultern und drückte ihn leicht weg. „John, nicht!“

„Wieso nicht?“

„Weil… weil…“ Wieso fiel ihr immer in den entscheidenden Momenten nichts ein? Er lächelte und faßte dann ihre Hände. Sanft drückte er sie neben ihrem Kopf auf sie Matratze und hielt sie dort.

„Ich kann gar nicht sagen, wie verrückt du mich machst!“

„John…“ Monica wich seinem Mund aus und sah ihn fast panisch an. „Okay, ich sage dir den Grund… ich… ich bin nicht deine…“

Er erstickte ihren Protest in einem tiefen Kuss voller Leidenschaft und strich mit seinem Daumen zärtlich über ihren Puls. Monica stöhnte in seinen Mund bei dem Gefühl, das sich in ihr aufbaute. Das war nicht gut… er verführte sie und dabei benutzte er wirklich alle Tricks, dabei waren sie doch Partner. Sie durfte seinen Zustand nicht ausnutzen, sonst würde sie ihm, wenn er sich erinnerte nicht mehr in die Augen sehen können.

„Es ist, als würde ich dich zum ersten Mal küssen, genauso aufregend und prickelnd…“ wisperte er dicht an ihrem Mund und vereinigte dann ihre Lippen in einem zweiten stürmischen Kuß, den die Frau hingebungsvoll erwiderte. Eigentlich, wenn man es genau nahm, hatte er ja den Anfang gemacht und momentan war ganz sicher er derjenige, der irgend etwas ausnutzte. Trotzdem verfluchte sie ihren Körper dafür, daß er sie jetzt so verriet. Je leidenschaftlicher die Küsse wurden, um so mehr verschwanden ihre Bedenken.

Als sie seine Hand heiß über die nackte Haut ihres Bauches streichen fühlte, wurde ihr bewußt, daß er lange ihre Hände losgelassen hatte, und obwohl sie sich vornahm, sich jetzt von ihm zu befreien, schlang sie die Arme um seinen Hals und zog ihn noch dichter an sich. Zärtlich strich sie über seinen Nacken und öffnete dann die Knöpfe seines Hemdes. Er stöhnte leicht in ihren Mund, als er ihre Hände auf der nackten Haut seiner Schultern fühlte. Seine Lippen lösten sich von ihren und wanderten über ihre Wange und dann die Linie ihres Kinns entlang bist hoch zu ihrem Ohr. Die Frau legte den Kopf in den Nacken, um seinem Mund noch mehr Angriffsfläche zu bieten und keuchte auf, als sie fühlte, wie er an ihrem Ohrläppchen zu knabbern begann. Ihre Hände strichen durch seine Haare, dann streiften sie ihm das Hemd vom Körper. Achtlos warf sie es in den Raum und zog ihn dann noch dichter an sich. Die erste Berührung ihrer nackten Haut war elektrisierend und jagte beiden Schauer durch den Körper. Monica drückte sich noch dichter an ihn und fragte sich, wie sie so lange hatte warten können. Sie war verrückt nach John und seine Reaktion zeigte er, daß er es, zumindest jetzt auch nach ihr war. Sie fühlte wieder seine hungrigen Lippen auf ihren und erwiderte den Kuss, bis beide atemlos nach Luft schnappten.

„Meine Güte, du bist unglaublich!“ John sah sie zärtlich an, gab ihr jedoch nicht die Möglichkeit zu antworten, sondern begann, die nackte Haut ihres Halses und ihrer Schultern zu erforschen. Fast ohne sie zu berühren strichen seine Hände an der Seite ihres Körpers entlang, zeichneten ihre weichen, weiblichen Umrisse nach und legten sich schließlich sanft auf ihren Hintern um sie an sich zu drücken. Monica winkelte ihr Bein leicht an und drückte es sanft gegen seine Hüfte. Sie war schon längst über den Punkt hinaus an dem ihr Verstand noch die Oberhand hätte gewinnen können.

Erst als er ihren BH öffnete, hielt sie ihn noch einmal sanft zurück, doch mit einem feurigen Kuß, der ihr wieder beinahe den Atem raubte, brach er auch diese letzte Barriere ihres Widerstandes.

Sie ließ sich einfach zurücksinken und gab sich seinen Küssen hin. Als seine Lippen zärtlich ihre Brüste zu liebkosen begannen, biß sie sich auf die Lippen, um nicht aufzuschreien. Seine Lippen wanderten weiter über ihre überempfindliche Haut. Ihr Blut schien sich bei jedem Kuss, ja jeder noch so kleiner Berührung seinerseits mehr und mehr in einen Lavastrom zu verwandeln, der alles in ihr zum Glühen zu bringen schien und sie beinahe verbrannte. Seine Hände strich über die glatte Haut ihrer Beine und den empfindlichen Punkt an ihrer Kniekehle während er innig ihren Baunabel liebkoste. Monica drängte sich gegen ihn und vergrub ihre Hände in seinen Haaren. Lange würde sie diese süße Qual nicht mehr durchhalten, er schien jedoch nicht die Absicht zu haben, dieses Spiel schnell zu beenden, im Gegenteil. Als er seinen Mund nun wieder auf ihren legte, war sein Kuß süß und beinahe unschuldig im Gegensatz zu den vorhergehenden und sie hob den Kopf um den Kuß zu vertiefen. Sie war schon längst über den Punkt hinaus an dem ein so süßer Kuß ihr gereicht hätte.

Abrupt drehte sie ihn auf den Rücken und begann dann das gleiche Spiel, was er zuvor gespielt hatte, mit ihm. Sie ließ ihre Lippen über seine Haut gleiten, jedoch ohne ihn wirklich zu Berühren. Ihren Lippen glitten über seine Brust und seinen Bauch, dann über seine Arme wobei sie sanft mit seinen Fingern spielte. Irgendwann reichte es ihm und er zog sie in einen hungrigen Kuss an sie heran. Monica erwiderte den Kuß einen kurzen Augenblick, dann jedoch wich sie etwas zurück und fuhr unschuldig mit ihrem Mund seinen entlang. Schließlich begann sie zärtlich, an seiner Unterlippe zu knabbern. Sie wußte, daß er beinahe wahnsinnig wurde, doch sobald er den Kuß zu vertiefen versuchte, wich sie zurück. Schließlich reichte es ihm. Er drückte sie zurück auf die Matratze und nahm ihren Mund hungrig in Besitz. Monica gab einen überraschten Laut von sich angesichts der Intensität seines Kusses, gab sich dann aber hin und verlor jegliches Gefühl für Zeit und Raum.

Irgendwann fühlte sie, wie er sie völlig auszog und half ihm dabei, jedoch ohne ihren Mund von seinem zu lösen. Als er sich schließlich mit ihr vereinigte, wurden beide von einer Welle der Leidenschaft weggetragen und mit ihnen alle Bedenken und Ängste vor der Zukunft…

Viel später stand John leise aus dem Bett auf und blickte die Frau an, auf deren ebenmäßiger Haut sich das fahle Licht des Mondes widerspiegelte. Sie schlief sehr tief und er drückte einen heißen Kuß auf ihre nackte Schulter. Er war sich sicher, daß er noch niemals eine Nacht voller solcher Leidenschaft erlebt hatte.

Wieso hatte sie sich ihm hingegeben? Immer wieder hatte er sie verführt und sie hatte sich ihm jedesmal wieder bedingungslos hingegeben, bis sie schließlich völlig erschöpft in seinen Armen eingeschlafen war. Er war sich sicher, daß sie nicht seine Frau war, also wieso hatte sie sich nicht gegen ihn gewehrt? Er verstand die Welt nicht mehr. Fest stand für ihn nur, daß diese Frau die Erfüllung all seiner Träume war. Er ging in die Küche und trank einen tiefen Schluck Wasser. Er mußte aus diesen Geschäften aussteigen, und dann konnte er mit ihr weggehen und ein ganz neues Leben beginnen. Langsam ging er zurück ins Schlafzimmer und sah Monica lange an, dann legte er sich wieder neben sie und zog sie eng an sich. Monica schmiegte sich in seine Umarmung und strich im Halbschlaf sanft über seine Brust. John spielte zärtlich mit ihren Haaren und sah an die Decke. Noch lange dachte er über diese geheimnisvolle Frau nach, bis er schließlich wieder tief einschlief…

 

Monica schloß die Augen und ließ das kalte Wasser der Dusche über ihr Gesicht und dann ihren Körper herab laufen. Sie strich ihre Haare nach hinten und ignorierte den Drang, der Kälte zu entfliehen. Was hatte sie getan? Sie hatte mit ihrem Kollegen geschlafen, aber das war noch nicht einmal das Schlimmste. Sie hatte mit ihm geschlafen, während er unter einer Amnesie litt. Sie stöhnte bei diesem Gedanken auf und drehte den Strahl des eisigen Wassers weiter auf in der Hoffnung, es möge ihre Gedanken und auch die vergangenen Ereignisse davontragen.

Sie mußte ihm so schnell wie möglich die Situation erklären, sonst würde er denken, sie hätte ihn ausgenutzt.

Sie stellte das kalte Wasser ab und schlang dann das Badetuch um ihren zitternden Körper. Dann strich sie ihren Haare zurück und drückte sie über dem Waschbecken aus. Sie zog eine Haarklammer aus dem kleinen Spiegelschrank und stecke die feuchten Haare im Nacken hoch. Verwirrt hielt sie inne, als sie den verräterischen kleinen rötlichen Fleck an ihrem Hals bemerkte. Sie würde ein Halstuch tragen müssen…

Sie versuchte, die vergangene Nach aus ihren Gedanken zu verdrängen, doch irgendwie wollte es ihr einfach nicht gelingen, dabei hatte sie doch momentan ganz andere Probleme. Sie band eines zu ihrem Kleid passendes Halstuch um und zupfte es zurecht, dann betrachtete sie sich zufrieden im Spiegel. Sie sah nicht verändert aus… alles war so wie immer.

Sie schloß seufzend die Augen. Sie wünschte, sie könnte ihre Gefühle genauso einfach überzeugen, wie ihr Spiegelbild.

Leise schlich sie sich in die Küche und begann, Kaffee zu kochen. Es war erst halb acht, also noch sehr früh und sie wollte John auf keinen Fall jetzt schon wecken. Sie brauchte erst einmal eine Pause…

Sie schaltete die alte Kaffeemaschine, die sie bei einem Trödler erstanden hatte, ein und schlich dann zum Wohnzimmertisch. Sie nahm ihre Schlüssel, zog sich ihre Sandalen an und verließ dann leise die Wohnung.

Auf der Straßen war bereits sehr viel los. Es war Wochenmarkt und Monica schlenderte, die Arme verschlungen an den Ständen entlang und sah sich die Waren an. Schließlich kam sie zum Bäcker, kaufte etwas Brot und drehte dann wieder um.

Wie sollte sie jetzt vorgehen? Vielleicht sollte sie John heute folgen, wenn er zur Arbeit ging… auf diese Weise konnte sie vielleicht etwas über die Mafia herausfinden. Und dann mußte sie ihn überreden, mit ihr nach Mexiko zu gehen. Dort wären sie wenigstens vorerst sicher, und ihre Eltern wären sicher froh, wenn sie sie einmal wiedersähen.

Sie verstand nicht, was vorging. Sollte Skinner recht gehabt haben, und das ganze Unternehmen wäre eine Falle gewesen, für wen wäre diese Falle dann? Etwa für sie? Das ergab keinen Sinn, da sie absolut keinen Wert für die Mafia hatte… allerdings… Sie dachte scharf nach. Ein Jahr lang war es nun her, daß die X-Akten unter Verschluß gestellt worden waren und Gibson Praise war unter neuem Namen nach Europa gebracht worden um da ein halbwegs normales Leben führen zu können. Sie und John allerdings waren noch immer Mitwisser. Sie wußten alle Einzelheiten über die Verschwörung und ihre Ausmaße. Würden sich aber die Verschwörer eine solche Mühe machen, nur um sie beide loszuwerden? Sicher nicht, außer sie stünden eine akute Bedrohung dar, und dies war einfach nicht der Fall.

Monica schloß die Haustür auf und grüßte die Frau, die herauskam. Sie wußte, daß sie unter ihr wohnte und hatte sie schon ein paar Mal morgens getroffen. Langsam ging sie die Treppe wieder nach oben und betrat dann ihre Wohnung.

Offensichtlich war John im Badezimmer. Sie gähnte verhalten und stellte dann die Kaffeemaschine aus, die mittlerweile fertig war. Dann suchte sie sich eines der Messer aus ihrer Schublade und schnitt das Brot in Scheiben.

Sollten die Verschwörer an dieser Sache beteiligt sein, wäre es unwahrscheinlich, daß sie überhaupt irgendwo hinreisen könnten! Und das würde bedeuten, daß sie vielleicht nicht einmal nach Mexiko kamen. Monica war so sehr in Gedanken versunken, daß sie sich beinahe vor Schreck geschnitten hätte, als Johns Arme sich plötzlich zärtlich um ihre Taille legten.

„Guten Morgen!“

„Morgen!“ Monica sah ihn kurz an und konzentrierte sich dann wieder auf ihr Brot.

„Ich habe dich beim Aufwachen vermisst…“ flüsterte er in ihr Ohf und küßte dann zärtlich ihren Hals unterhalb ihrem Ohr.

„Ich war Brot holen!“ wich Monica aus und ordnete das Brot dann in einem kleinen Korb an. Dann drehte sie sich zu ihm um und reichte es ihm. „Bist du so lieb und stellst das auf den Tisch?“

Verwirrt nahm er den Korb, drehte sich um und ging ins Wohnzimmer. Monica stützte sich haltsuchend mit den Händen am Küchentisch ab und schloß die Augen. Das war eine vollendete Katastrophe! Er brauchte sie nur zu berühren und schon wurde sie schwach… Schluß jetzt, rief sie sich selber zur Ordnung. Dies war John Doggett, ihr Kollege, ihr Freund. Er brauchte ihre Hilfe und das einzige, was sie tat, war sich wie ein verliebtes Schulmädchen aufzuführen.

„John…“ Sie trat ins Wohnzimmer und er drehte sich herum. Monica verschränkte die Arme und lehnte sich gegen den Rahmen der Küchentür. „Wir sollten uns unterhalten.“

„Ich weiß!“ Er nickte. „Du bist nicht meine Ehefrau!“

„Darum geht es nicht… woher weißt du das?“ Erinnerte er sich etwa an sie? Meine Güte, das wäre ja noch grauenvoller…

„Ich fühle es!“ antwortete er nur.

„Du hast recht, ich bin nicht deine Ehefrau. Ich bin eigentlich deine Freundin… also Freundin nicht in dem Sinne, daß wir miteinander schlafen, sondern eigentlich eher… Kollegen.“

„Oh…“ Er nickte und sah sie nachdenklich an. „Jetzt aber wohl doch eher Freundin…“

„Ja…“ Monica sah ihn an. „Hör zu. Du mußt aus diesen Geschäften aussteigen! So schnell wie möglich.“

„Monica!“ Er ging zu ihr und zog sie sanft an sich. „Ich kann da nicht einfach aussteigen, das weißt du so gut wie ich!“

„Du bist doch nicht einmal eingestiegen, John!“ Sie sah ihn an. „Du hast niemals dort gearbeitet! Es stimmt nicht, was diese Männer dir erzählt haben! Du warst mein Kollege! Meine Freund!“

„Ich habe nicht dort gearbeitet?“ Völlig perplex wich er zurück. „Das verstehe ich nicht. Wo habe ich denn dann gearbeitet? Wer bin ich dann?“

„Du bist John Doggett… aber du bist kein Geschäftsmann! Du bist…“ Sie stockte. War es wirklich gut, wenn sie ihm das sagte? Was er nicht wußte, konnte er der Mafia auch nicht erzählen. „Hör zu, ich werde es dir erzählen, aber ich glaube, im Moment ist es besser, wenn du es noch nicht weißt!“

„Was soll das heißen? Es geht doch hier darum, wer ich bin!“ Er faßte sie an den Schultern. „Sag es mir, bitte!“

„Du mußt zuerst aus diesen Geschäften aussteigen!“

„Und wie stellst du dir das vor?“ Er lachte auf. „Das ich dahin gehe und sage, ‚Ich kündige‘? Weißt du, was bei denen die Antwort auf diesen Satz ist? Eine Kugel in den Kopf!“

„Aber du hast doch bis jetzt keine Verpflichtungen eingegangen!“

„Wenn ich dem glauben darf, was diese Männer sagen, dann arbeite ich bereits fünf Jahre dort, und das ist mehr als genug Zeit um mehr Verpflichtungen einzugehen, als man in seinem Leben abarbeiten kann!“

„John!“ Sie nahm sein Gesicht zwischen ihre Hände. „Du arbeitest noch nicht einmal eine Woche für diese Männer!“

Er sah in ihre Augen, die sich mit Tränen füllten und wandte sich dann ab. „Ich weiß ja nicht einmal, ob ich dir glauben kann. Alles, was ich bis jetzt von dir weiß ist, daß du mich belogen hast! In allem… du bist weder meine Ehefrau, noch gehört uns diese Wohnung… Ich weiß gar nichts über dich, und dann soll ich dir jetzt vertrauen?“ Er nahm seine Tasche und sah sie an. „Tut mir leid, aber dann traue ich doch lieber den Männern, die mir bis jetzt die Wahrheit gesagt haben!“ Damit verließ er die Wohnung mit einem Türknallen.

„John!“ Monica ließ zur Tür und riss sie wieder auf. „John, bitte glaube mir! Ich habe es doch nur getan um dich zu schützen!“

Er drehte sich nicht einmal um und Monica ließ ihrem Kopf gegen den Holzrahmen der Tür sinken.

„Scheiße!“ flüsterte sie und schlug dann gegen das Holz, während die Tränen sich nun unweigerlich einen Weg über ihre Wangen bahnten. Sie hatte alles vermasselt und jetzt auch noch Johns Vertrauen verloren…

 

Wohl niemand achtete auf die hübsche junge Frau, die das Waffengeschäft betrat. Nachdem Monica die Männer, die sie verfolgten, abgehängt hatte, war sie in ein anderes Viertel der Stadt geflüchtet, und hatte sich bis zu einem Waffengeschäft durchgefragt.

Das Geschäft, das sie nun betrat, sah schmutzig aus und außer ihr war kein Kunde dort.

„Guten Tag!“ Der Mann hinter dem Tresen nahm seine Brille ab und sah sie verwundert an. Offenbar kam nicht oft eine Frau in sein Geschäft.

„Hi!“ Monica lächelte ihn an und sah sich um. „Ich brauche eine Waffe… nichts großes, nur eine Kleine!“

„Und wofür, wenn ich fragen darf?“ Er erhob sich jetzt und musterte sie nachdenklich. Monica schob einen Geldschein über den Tisch.

„Ich bin sicher, daß sie etwas organisieren können!“

Der Mann sah völlig verblüfft auf den Geldschein und überprüfte ihn dann im Sonnenlicht auf Echtheit. „Selbstverständlich lässt sich da etwas machen, Senorina!“

Er verschwand durch einen kleinen Vorhang und kam nach zwei Minuten wieder heraus.

„Ich glaube, ich habe hier etwas, was genau ihren Vorstellungen entsprechen könnte! Sie kam gerade gestern rein!“

Er schob eine kleine Waffe über den Tisch und Monica sah mißtrauisch darauf. „Das ist eine Frauenwaffe!“

„Ja, aber die einzige, die ich in Taschenformat da habe! Sie hat ein neun Millimeter Kaliber und sie können sieben mal feuern, bevor sie nachladen müssen!“

„Reichweite?“ Monica begutachtete die Waffe genauer.

„Nun, ich würde sagen, diese Waffe hat schon Geheimdienststandard! Wenn sie sie ausprobieren möchten…“ Er deutete auf seinen Vorhang und Monica folgte ihm in ein kleines Labor.

„Bittesehr!“ Er zeigte auf eine kleine Zielscheibe und Monica richtete die Waffe darauf und drückte ab. Sie war überrascht, wie leise die Waffe war und doch schien sie absolut ihre Erwartungen zu erfüllen. Sie traf direkt in den mittleren schwarzen Kreis und dem Waffenhändler klappte die Kinnlade nach unten.

„Donnerwetter…“ staunte er.

„Wieviel?“ fragte Monica und der Mann dachte nach.

„Nun, fünfzig Usdollar und ich gebe ihnen noch eine Packung Magazine kostenlos dazu!“

„Einverstanden!“

Monica folgte ihm wieder nach vorne und reichte dem Mann das Geld. Dann nahm sie die Waffe und ließ sie in ihrer Handtasche verschwinden.

Als sie aus dem Laden wieder heraustrat sah sie sich mißtrauisch um. Niemand war ihr gefolgt und keiner schien auf sie zu achten. Sie ging die Straße entlang in Richtung Hafen. Während sie ging, zählte sie das Geld, was sie noch übrig hatte. Viel war es nicht mehr. Sie hatte heute morgen so viel für Bestechungen ausgeben müssen, doch wenigstens hatte sie jetzt eine Waffe und wußte, wo sie zu suchen hatte. Ein Gastwirt hatte ihr den Tipp gegeben, daß der Hafen ein Anlaufpunkt für Mafiamitglieder war und dort auch einer der Bosse sein Haus hatte.

Sie würde jetzt aufklären, was diese ganze Aktion hier auf sich hatte, die Beweise mitnehmen und sie John vorlegen. Dann würde er ihr glauben müssen und sicher mit ihr mitgehen.

Der Weg zum Hafen war lang und in der brennenden Sonne schien er Monica noch zweimal länger als er ohnehin schon war.

„Eine der Lagerhallen ist es!“ hatte der Gastwirt ihr verraten. „Achten sie auf das Zeichen, das aussieht wie eine acht mit Flügeln. Das ist die Firma, hinter der sie sich verstecken!“

Nun, das war hoffentlich nicht allzu schwer.

Der Hafen war belebt. Fischer schrien sich gegenseitig Beleidigungen oder Grüße zu, energische Hausfrauen schrien irgendwelche Händler an, die ihre Ware zu Wucherpreisen anboten und Kinder rannten umher und spielten Fangen.

Monica sprach eines der Kinder an und fragte es nach einem Lagerhaus mit dem Zeichen und das Kind deutete in eine Richtung, bevor es mit den anderen zusammen wieder davonjagte. Monica folgte der Richtung, die das Kind ihr gezeigt hatte und schon bald kam sie in eine Hafengegend, die weniger belebt war. Nur noch einzelne Männer trugen Kisten in Lagerhäuser. Ab und zu stand eine Prostituierte an einer Lagerhalle und bot irgendwelchen Matrosen ihre Dienste an. Monica sah sich um und kam schließlich an eine Lagerhalle mit der geflügelten Acht. Sie bog in die kleine Gasse, die an der Halle entlangführte, ein und sah an dem Gebäude hoch. Sie brauchte ein Fenster oder eine Tür, schließlich konnte sie nicht einfach durch den Haupteingang hineinspazieren. Nach einer Viertelstunde hatte sie die gesamte Halle umrundet und festgestellt, daß die einzigen beiden Fenster an der Rückseite fest verriegelt waren.

Unentschlossen, was sie jetzt tun sollte, schlenderte sie zum Hafenbecken und lehnte sich an das Geländer. Nachdenklich blickte sie auf den Eingang, an der eine Wache stand und jeden der eintrat überprüfte. Dann fiel ihr Blick auf eine junge Hure, die gerade mit einem Matrosen in einer kleinen Gasse verschwand.

Sie richtete sich auf. Das war die Idee… ihr Schlüssel in dieses Gebäude. Sie drehte sich zum Wasser hin und sah an ihrem Kleid hinab, dann öffnete sie einen weiteren Knopf ihres Ausschnittes, fuhr sich mit den Fingern durch die Haare und schlenderte dann verführerisch auf den Eingang zu. Wie selbstverständlich wollte sie durch die Tür gehen, doch sofort baute sich die Wache vor ihr auf.

„Wo wollen wir denn hin?“

„Ich bin bestellt worden und werde erwartet!“

„Wirklich…“ Der Mann sah sie nachdenklich an. „Und von wem sind sie bestellt worden?“

„Von… Paolos!“ Monica betete, daß irgend jemand unter den Angestellten den Namen Paolos trug.

„Hmm… Paolos also… dieser Windhund!“ Der Mann lachte. „Ich hab mir gedacht, daß er seiner Ehefrau nicht lange treu bleibt!“ Er näherte sich ihr anzüglich. „Und was bekomme ich, damit ich dich durchlasse?“

„Nun…“ Monica sah ihn lächelnd an. „Wie wäre es mit kein blaues Auge?“

„Uh…“ Der Mann wich grinsend zurück. „Bist ja eine ganz Harte! Hätte ich Paolos ja nicht zugetraut!“ Er trat zur Seite und ließ sie eintreten. „Die Lagerhalle bis zum Ende, dann die Treppe hoch zur Anmeldung! Da sagt man dir alles weitere!“

Monica wartete, bis er die Tür hinter ihr geschlossen hatte, dann sah sie sich um und knöpfte dabei den Knopf ihres Kleides wieder zu. Überall standen Kisten herum und soweit sie sehen konnte, schien sie die einzige in der Lagerhalle zu sein.

Sie ging an einer Reihe von Kisten entlang und fragte sich, was wohl der Inhalt sein mochte. Offenbar wurden sie von hier verschifft, da es aussah, als würden einige der Kisten noch gepackt werden.

Sie wühlte in einer offenen Kiste durch das Füllmaterial und zog dann eine kleine Tüte mit einem weißen Pulver hervor. Rauschgift… Sie sah sich in der riesigen Lagerhalle um. Irgendwie bezweifelte sie, daß in all diesen Kisten nur Rauschgift war. Sie musste Papiere oder etwas ähnliches finden, wodurch sie etwas in die Hände bekam.

Sie zuckte zusammen, als sie plötzlich das überlaute Geräusch einer Tür hörte, die zufiel. Das Echo hallte in der riesigen Lagerhalle wieder. Monica duckte sich schnell hinter die Kiste, hinter der sie gestanden hatte und tastete vorsichtig nach der Waffe in ihrer Tasche.

Ein Mann kam vom Eingang her, ging an ihr vorbei, ohne sie zu bemerken und verschwand dann am anderen Ende der Lagerhalle durch eine weitere Tür. Monica beschloß, ihm zu folgen. Sie huschte zur Tür, bevor diese zufallen konnte und schlüpfte hindurch. Dann fand sie sich in einem kleinen Flur wieder, von dem aus eine kleine Treppe weiter nach oben führte.

Sie hörte Schritte auf der Treppe. Offenbar war der Mann, den sie beobachtet hatte, auf dem Weg nach oben.

Sie zog ihre Schuhe aus und folgte ihm dann leise. Dabei vermied sie es in der Mitte der Holztreppe zu gehen, da es am Rande meistens weniger verräterisch knackte. Lautlos wie eine Katze kam sie schließlich oben an und sah sich nach rechts und links um. Zu beiden Seiten erstreckte sich ein Gang und Monica entschloß sich für links.

Langsam ging sie den Flur entlang, bis sie leise Stimmen vernahm. Sie kamen aus einem der Zimmer und leise legte Monica ihr Ohr an die geschlossenen Türen um zu hören aus welchem.

Sie erschrak, als plötzlich eine der Türen gerade in dem Moment nach innen geöffnet wurde, als sie ihr Ohr daran legte. Sie stolperte gegen die Brust eines Mannes, der sie auffing und aufrichtete.

Monica blickte in die verblüfften und zugleich ärgerlichen Gesichtszüge eines bulligen Mannes.

„Hi!“ Monica lächelte ihn an wie die Unschuld in Person. „Ich bin zu Paolos bestellt worden, aber ich habe mich verirrt!“

„Nun, das ist ja wirklich sehr interessant!“ Der Mann musterte sie. „Ich bin Paolos und ich kann mich nicht erinnern, irgend jemanden bestellt zu haben!“

„Dann… dann muß ein Irrtum vorliegen! Schade… naja, dann gehe ich halt wieder!“

Sie drehte sich um, wurde aber sofort hart gepackt. „Nicht so schnell, Kleine! Ich will wissen, was du hier rumzuschnüffeln hast!“

„Ich habe nicht herum geschnüffelt!“

„Aber eine Hure bist du auch nicht, die wüßten nämlich, daß jede, die es wagt, dieses Gebäude zu betreten, mit ihrem Leben spielt!“

„Ich bin neu in der Stadt!“ Monica tastete unauffällig nach der Waffe in ihrer Tasche und umfaßte sie.

„Nun, wo du schon einmal hier bist…“

In diesem Moment riss Monica sich los und richtete ihre Waffe auf ihn. „Keinen Ton!“ warnte sie und griff nach einem Briefbeschwerer, der auf dem Tisch stand. Gerade, als sie damit zuschlagen wollte, packte der Mann ihr Handgelenk und mit einem Schmerzensschrei ließ die Frau die Waffe fallen, griff jedoch mit der anderen Hand sofort danach und ignorierte den Schmerz in ihrem rechten Handgelenk. Der Mann versuchte, sie davon abzuhalten, und ehe Monica wußte, was geschah, löste sich ein Schuß. Sie fühlte, wie sich der Griff um ihre Hand lockerte und der Mann fiel zu Boden. Erschrocken griff die Frau nach ihrer Waffe und starrte dann auf die Leiche des Mannes.

Dann fiel ihr plötzlich auf, daß sicher jemand diesen Schuß gehört hatte. Sie stürzte aus dem Raum heraus zurück in den Flur. Gerade öffnete sich die Tür zu einem Zimmer und ein Mann trat heraus. Monica zögerte nicht lange, sondern richtete die Waffe auf den Mann.

„Keine Bewegung!“

„Monica???“

Verblüfft blickte Monica auf John, der hinter dem Mann, den sie bedrohte, auf den Flur trat. Beide Männer hoben die Hände.

„John!“ Sie sah den Mann an. „Nimm die Hände runter! Dich bedrohe ich nicht!“

„Monica, was soll der Unsinn! Lass die Waffe fallen!“

„John, komm zu mir!“ flehte Monica und wich zurück in Richtung der Treppe. Jeden Moment konnte von irgendwoher jemand anderes auftauchen. „John!“

John zögerte, dann ging er langsam auf die Frau zu.

„Tun sie das nicht, John!“ Der Mann, der vor ihm aus dem Raum getreten war, erhob nun seine Stimme. „Sie ist nicht das, was sie vorgibt!“

John blieb stehen und sah den Mann interessiert an.

„Wieso? Wer ist sie?“

„Ich habe heute morgen mit Bertolli gesprochen. Sie ist zwar Mexikanerin, aber gleichzeitig auf Amerikanerin! Sie arbeitet für den CIA und hat den Auftrag, sie zu töten!“

„Das ist nicht wahr, John!“

„Monica, arbeitest du wirklich für den CIA?“ John sah die Frau kalt an.

„Nein… ja… ich weiß es nicht! Aber es ist nicht so, wie er sagt!“

„Waffe fallen lassen!“ Monica erstarrte, als sie die kalte Mündung einer Waffe an ihrem Hinterkopf fühlte und ließ langsam die Waffe sinken und dann zu Boden fallen. „Und jetzt die Hände hoch!“

Sie hob die Hände und fühlte, wie sie gegen die Wand gedrückt und abgetastet wurde, dann wurde sie hart gepackt.

„Senor Bertolli!“ Der Mann hinter John atmete erleichtert aus.

„Wer ist diese Frau, John?“

„Sie ist meine… ich weiß es nicht!“ John wandte seinen Blick von Monica ab und sah Bertolli an. „Sie heißt Monica Reyes!“

„John!“ Monica sah ihn flehend an. „Ich habe dir die Wahrheit gesagt! Wir sind Kollegen! FBI-Agenten!“

Sie wurde in einen Raum gestoßen.

„Boss, sie hat Paolos erschossen!“ Der Mann, der im flur bei John gewesen war, tart ebenfalls in den Raum.

„Es war ein Unfall!“ erklärte Monica.

„Ein Unfall! Ja, das ist es wohl immer!“ Er richtete seine Waffe auf sie und Monica starrte ihn einfach nur an. „John…“ Bertolli sah den Mann an, der in der Tür stand. „Kommen sie her zu mir!“

John ging zu dem Mann und sah Monica an. „Haben sie diese Frau schon irgendwann in ihrem Leben gesehen?“

„Nein…“ log er. Es stimmte nicht. Er hatte in sich das Gefühl sie zu kennen, aber das verschwieg er. Er wußte nicht mehr, wem er glauben sollte. Sie sagte, daß er FBI Agent war, wie kam er dann aber hier nach San Paolo…

„Monica Reyes…“ Bertolli ging langsam um den Tisch herum, dann stellte er sich hinter sie. „Sie haben ein raffiniertes Spiel gespielt, aber leider verloren… und soll ich ihnen sagen, wieso?“

Monica sah ihn nicht an, sondern blickte weiterhin auf John.

„Weil es nie das Ziel dieser Mission war, daß sie jemanden retten sollten!“ Monica erstarrte, als sie diese englischen Worte hörte und drehte sich langsam herum. Vor ihr stand Agent Pendrall. „Dies war die einzig saubere Methode, sie zu töten! Leider ging der Undercover Einsatz schief und sie wurden von der Mafia liquidiert!“ Der Mann steckte sich eine Zigarette an. „Ein bedauernswertes Missgeschick!“

„Wieso?“ fragte Monica nur und der Mann blies ihr den Rauch direkt ins Gesicht.

„Wieso??? Weil sie zuviel wissen! Sie sind die letzte, die noch etwas weiß über die X-Akten und die Verschwörung, und damit sind sie auch die größte Gefahr für uns!“

John atmete tief ein. X-Akten… irgend etwas kam in ihm hoch. Eine Erinnerung, zum Greifen nah. Er durfte sie nicht wieder verlieren… da waren Namen. Mulder… und Scully. FBI… Und dann stürzten Erinnerungen auf ihn ein.

„Und deswegen… müssen wir sie jetzt leider erschießen!“

Agent Pendrall drückte ihr seine Waffe gegen die Schläfe und näherte sich ihrem Ohr. „Keine Angst… es wird nicht wehtun. Leben sie wohl, Agent Reyes…“

Es knallte und Monica war überrascht, daß sie noch bei Bewußtsein war. Dann fiel ihr Blick auf John Doggett. Er hielt eine Waffe in der Hand und hatte Pendrall erschossen. Mit zwei Schritten war er bei Monica und schob sie hinter sich.

„Keine Bewegung, oder sie sterben alle!“

„John, was tun sie?“ Bertolli sah ihn völlig verwirrt an. „Sie wird sie töten, sobald sie alleine sind!“

„Wirklich? Wird sie mich töten, oder werden sie das tun, sobald sie sich ihrer entledigt haben!“ Langsam schon er Monica aus dem Raum und zog dann die Tür hinter sich zu.

„John… was…?“ Monica sah ihn an und verstand kein Wort.

„Später! Wir müssen hier weg!“ Er fasste ihre Hand und zog sie mit sich. Sie lief hinter ihm her, hielt ihn jedoch fest, als er die Treppe hinabrennen wollte.

„Wir können da nicht lang! Vor dem Eingang steht eine Wache!“

Er sah sie einen kleinen Moment an, dann nickte er und rannte mit ihr statt dessen weiter nach oben. „Wir klettern durch ein Fenster!“

Sie hörten, wie unten die Tür geöffnet wurde und Bertolli nun Befehle zu brüllen begann.

„SUCHT SIE! UND ERSCHIESST SIE BEIDE!“

„Komm… hier lang!“ John zog sie in ein kleines Büro und schloß die Tür hinter sich ab, dann räumte er die Fensterbank frei und öffnete das alte Holzfenster. Er sah hinaus. Es ging mindestens fünf Meter nach unten.

„Da kommen wir nicht raus!“ wisperte Monica und John sah sie an.

„Doch! Du schon! Ich halte dich fest und lasse dich so tief hinab wie ich kann.“

„Aber was ist mit dir!“ Monica sah ihn panisch an, als an der Türklinke gerüttelt wurde.

„Ich komme schon irgendwie klar! Ich habe eine Waffe!“

„Nein!“ Sie schüttelte mit Tränen in den Augen den Kopf. „Wir sind Partner! Ich werde dich nicht im Stich lassen! Auch, wenn du dich nicht an mich erinnerst, aber…“

Er verschloß ihre Lippen mit einem kurzen, aber intensiven Kuß und strich über ihre Wange.

„Ich erinnere mich an dich, Monica!“

Sie starrte ihn total verblüfft an, bis ein Krachen an der Tür sie zusammenzucken ließ.

„Okay…“ Sie lief zu dem Schreibtisch und begann, die Schubladen zu durchwühlen, dann den kleinen Schrank an der Wand. Schließlich sah sie verzweifelt in dem Durcheinander aus Büroutensilien umher. Es mußte doch irgend etwas geben… Sie richtete ihren Blick wieder auf John.

„Zieh das Hemd aus…“ murmelte sie plötzlich.

„Was?“ Er sah sie an, als hätte sie den Verstand verloren.

„Ich lasse dich zuerst runter! Du kannst das Hemd als Seil benutzen! Dann klettere ich und du fängst mich auf!“

Er drückte ihre die Waffe in die Hand und zog dann in Windeseile sein Hemd aus. Dann band der den einen Ärmel am Heizkörper fest und ließ den anderen aus dem Fenster.

„Das sind höchstens eineinhalb Meter!“ sagte er und sah Monica zweifelnd an. Dann richteten sie beide ihre Blicke auf die Tür, als ein weiteres Krachen zu hören war. Das Holz um das Schloß herum begann bereits zu bersten.

John kletterte über die Fensterbank und ließ sich vorsichtig am Hemd herum. Er hörte, wie die Fäden verdächtig knackten, dann ließ er los. Er war überrascht, daß er beinahe sanft auf dem Boden ankam. Monica beobachtete, wie er am Boden ankam und kletterte dann ebenso über die Fensterbank. Sie steckte die Waffe in ihre Handtasche und glitt hinab. Dann geschah das, was John befürchtet hatte. Mit einem Ritsch risse der Stoff durch und Monica fiel mit einem Schrei nach unten.

John fing sie auf und beide purzelten auf den harten Boden. John hatte beschützend seine Arme um den Körper der Frau geschlungen und sah sie nun besorgt an.

„Alles okay!“

„J-ja!“ sagte Monica noch immer etwas geschockt. Ihr Ellenbogen brannte. Offenbar hatte sie sich beim Sturz an der Hauswand verletzt.

John zog sie sanft hoch und dann an der Wand der Lagerhalle entlang. Ein Schuß fiel und die Kugel schoß dich neben Monicas Fuß in die Erde. Offenbar hatten die Männer die Tür geöffnet.

Ein zweiter und ein dritter Schuß krachten. Beim vierten Schuß schrie John auf und fiel zu Boden. Monica zog die Waffe aus ihrer Tasche und richtete sie aufs Fenster. Dann drückte sie ab. Als die änner am Fenster verschwunden waren, kniete die Frau sich hin. Johns Schulter war blutüberströhmt.

„John…“

Er stöhnte.

„John, steh auf, wir müssen hier weg!“

Er versuchte sich aufzurichten, fiel aber gleich wieder zurück zu Boden. „Ich kann nicht! Lauf weg…“

„Wenn du nicht willst, daß wir beide erschossen werden, solltest du dich jetzt lieber bemühen! Ich werde dich nämlich nicht im Stich lassen!“

Dem Ton ihrer Stimme konnte er entnehmen, daß sie es ernst meinte.

„Du bist stur!“ ächzte er und sie half ihm mit all ihrer Kraft aufzustehen. Er stützte sich auf sie und zusammen liefen sie, viel langsam als vorher weiter. Nach zwanzig Metern lehnte John sich an die Steinwand des Hauses.

„Ich kann nicht mehr!“

Monica wußte, daß er recht hatte. Er war blass und sein Puls ging viel zu schnell. Aber sie konnte ihn nicht hier lassen, da dies seinen sicheren Tod bedeutet hätte. Sie strich über seine Wange, dann küßte sie ihn innig.

„Ich habe noch zwei Kugeln im Magazin…“

„Das ist Wahnsinn!“ murmelte John. Monica lachte auf.

„Ja, dieser ganze Einsatz war Wahnsinn! Aber wir werden das hier überleben… beide!“

Sie entsicherte die Waffe und sah sich dann um. Von rechts und links waren sie ohne Deckung. Sie blickte nach oben und sah auf einige Fenster. Wenn sie nur einen Moment lang nicht aufpaßte, konnten sie von überall her erschossen werden und sie hatte nur noch zwei Kugeln in ihrem Magazin.

Monica blickte auf die Straße, die etwa zehn Meter weiter begann. Sie sah John an.

„Ich bin gleich zurück!“ Damit huschte sie die paar Meter bis zur Hausecke und sah dann vorsichtig nach vorne auf die Straße. Es war niemand zu sehen, aber Monica war sich sicher, daß es nur eine Frage der Sekunden war, bis die Männer das Gebäude umrunden würden. Sie saßen in der Falle.

„John!“ Sie schlich zurück zu dem Mann und sah ihn an. „Wir müssen weg! Wenigstens ein paar Häuser weiter!“

Er nickte und stützte sich dann auf sie. Zusammen liefen sie auf die Straße und dann, völlig deckungslos an den Lagerhäusern entlang. Keine zehn Sekunden später hörten sie hinter sich Schüsse knallen. Sie flohen in die nächste kleine Gasse und drückten sich an die Wand. Monica schloß die Augen und versuchte, sich zu beruhigen. Dann schoß sie blitzschnell hinter der Ecke hervor und schoß auf den ersten, danach auf den zweiten Mann. Sie traf beide, dann jedoch war ihr Magazin leer. Sie flog zurück an die Wand neben John.

„Was jetzt?“ wisperte sie, erwartete aber keine Antwort.

„Ich nehme an, uns ergeben ist keine Option!“ scherzte John und sie sah ihn gespielt strafend an.

„Das ist nicht witzig! Die würden uns erschießen, bevor wir überhaupt einatmen können!“

Plötzlich hörten sie einen Schuß und nah bei ihnen einen Aufschrei. Monica sah vorsichtig hinter der Ecke hervor und erblickte verwirrt, wie einer der Mafiosi tödlich getroffen zu Boden ging. Weitere Schüsse ertönten, und die restlichen Verfolger flohen völlig überrumpelt in eine der kleinen Gassen.

Im nächsten Moment stürzten zwei Männer zu Monica und John in die Gasse.

„Sie??? Wie… wie…“ Monica sah Fox Mulder und Walter Skinner verständnislos an.

„Später!“ erklärte Skinner, während Mulder einen Blick auf John warf.

„Er braucht einen Arzt!“

Monica warf ihm einen Blick zu, der soviel sagte wie „Nein, wirklich?“ und blickte dann um die Ecke. Skinner sah sie an.

„Wir sollten verschwinden. Unser Wagen steht ein paar Ecken weiter. Denken sie, sie schaffen es?“ fragte er John und dieser nickte.

Skinner reichte Monica seine Waffe. „Sie geben uns Rückendeckung!“ Damit stützten er und Mulder zusammen John Doggett. Monica nahm die Waffe und trat dann aus der Gasse. Sie richtete die Waffe auf die Straße und sah sich mißtrauisch um.

„Okay, laufen sie!“ sagte sie dann zu Mulder und Skinner und die drei Männer liefen an den Lagerhallen entlang. Monica gab zwei Warnschüsse ab, dann folgte sie den drei Männern rückwärts. Sie war erleichtert, als sie endlich am Wagen ankamen.

Mulder und Skinner setzten John auf den Rücksitz, dann setzte sich Mulder ans Steuer und Skinner auf die andere Seite. Monica gab einen letzten Warnschuß ab, dann stürzte sie neben Doggett auf den Rücksitz. Sie hatte die Tür noch nicht ganz geschlossen, als Mulder auch schon Gas gab.

Sie hörten Schüsse und duckten sich, bogen jedoch schon wenige Sekunden später um eine Ecke und fuhren in Richtung Innenstadt. Erleichtert ließ Monica sich in den Sitz sinken und schloß die Augen.

„Wie haben sie uns gefunden?“ fragte sie dann und Skinner drehte sich leicht zu ihr.

„Nun, ich habe Nachforschungen angestellt. Dabei bin ich darauf gestoßen, daß Agent Pendrall mit der Mafia zusammenarbeitet. Mit Hilfe der Lone Gunmen habe ich seine e-mail gecheckt und entdeckt, daß er den Befehl erhalten hat, sie und Doggett zu töten. Daraufhin kam ich sofort hierher. Und als weder sie noch Doggett in ihrer Wohnung antraf, dachte ich, es wäre das Beste, hierher zu fahren, wo die Mafia ihr Hauptquartier hat.“

„Das wußten sie???“

„Nein, ich habe es während meiner Nachforschungen erfahren! Wie ich sehe, kamen wir gerade rechtzeitig!“

Monica blickte John besorgt an, der sich nun erschöpft gegen sie sinken ließ. Sanft drehte Monica sich so, daß sie ihn halten konnte, und strich über seine Wange.

„Was tun sie hier?“ Sie sah Mulder durch den Rückspiegel an.

„Nun… sie haben mir und Scully damals in New Mexiko das Leben gerettet! Wir lassen sie doch nicht im Stich, wenn sie Hilfe brauchen!“

„Er hat es durch die Lone Gunmen erfahren!“ beantwortete Skinner die Frage. „Ich traf ihn hier… ich hatte nicht einmal eine Ahnung, daß er davon wußte, bevor ich hier ankam!“

„Fest steh auf alle Fälle, daß sie und John erstmal nicht in die Staaten zurück können!“ Fox sah sie ernst an und Monica nickte.

„Ich weiß! Aber wir werden schon durchkommen! Das hat die letzte Woche ja auch sehr gut geklappt!“

„Wenn man mal von den letzten zwölf Stunden absieht!“ kommentierte Mulder und fing sich einen ihrer Blicke ein. „Ich bringe sie in unsere Pension. Dann kann Dana ihn behandeln!“

 

„Wie geht es ihm?“ Monica betrat leise das Zimmer und sah die Frau besorgt an, die sich nun vom Bett erhob.

„Ganz gut glaube ich!“ Dana ging zu ihr. „Ich mußte eine kleine OP durchführen, aber ich denke, er hat es gut überstanden!“

„Danke!“ Monica und Dana sahen sich lange an, dann umarmten sie sich. „Danke, Dana! Wenn sie nicht gewesen wären…“ wisperte Monica und Dana erwiderte ihre Umarmung. Dann lösten sie sich voneinander.

„Kann ich mir ihm reden?“

Dana nickte. „Ja… er ist zwar noch etwas schläfrig von dem Narkosemittel was ich ihm gegeben habe, aber prinzipiell spricht nichts dagegen…“

Monica ging zu dem Bett und setzte sich auf die Bettkante. Als sie Johns Hand nahm, öffnete er die Augen und sah sie an.

„Hi!“ flüsterte sie und lächelte.

Er stöhnte leicht. „Ich sehe drei von dir!“

Sie lächelte. „Du kannst die Augen schließen… ich möchte, daß du mir nur zuhörst!“ Sie blickte auf die Bettdecke und strich zärtlich über seine Hand. „Es tut mir leid, daß ich dich angelogen habe!“

Er öffnete die Augen und wollte ihr widersprechen, doch sie legte die Finger auf seine Lippen. „Lass mich bitte ausreden! Ich habe dich belogen, aber ich möchte auf keinen Fall, daß du denkst, ich hätte deine Situation ausgenutzt. Ich wollte nicht mit dir schlafen… das heiß… natürlich wollte ich es, aber eigentlich hatte ich das nicht so geplant. John… was ich sagen will ist, daß ich dich liebe und daß ich dich wirklich nicht verletzen wollte! Du mußt dich zu nichts verpflichtet fühlen wegen der einen Nacht!“ Sie verstummte, als sie einen Kloß im Hals verspürte. Er richtete sich jetzt langsam auf und stützte sich, noch immer etwas benommen auf seinen gesunden Arm.

„Monica… ich habe dich geliebt, als wir noch zusammen gearbeitet haben, ich war nur zu feige, es dir zu zeigen. Aber die Tatsache, daß ich mich, nachdem ich mein Gedächtnis verloren habe, erneut in dich verliebt habe, ist doch ein viel stärkeres Zeichen als irgend etwas anderes!“

Sie sah ihn mit Tränen in den Augen an. „Aber du… du…“ Sie schluchzte und er strich zärtlich über seine Wange.

„Ich möchte mit dir ein neues Leben beginnen… irgendwo, weit weg von hier!“

Sie sah ihn sprachlos an und schmiegte sich dann an ihn.

„Okay…“ wisperte sie unter Tränen und er schlang seinen Arm um sie. „Du hast mir das Leben gerettet! Danke…“ flüsterte sie und er lachte.

„Ich muß dir danken!“ wisperte er und sie schmiegte zärtlich ihr Gesicht an seinen Hals und schloß die Augen. Wenig später waren beide tief eingeschlafen. Als Fox wenig später den Raum betrat, legte Dana warnend den Zeigefinger vor den Mund. Der Mann sah auf das Bett und zog die Augenbrauen hoch.

„Sie lieben sich!“ erklärte Dana und sah lächelnd auf das schlafende Paar. Mulders Gesicht hellte sich auf und er grinste.

„Toll… dann haben wir endlich ein Paar, mit dem wir etwas zusammen unternehmen können!“

Kichernd verließen die beiden den Raum.

 

~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+   EPILOG    ~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+

 

Irgendwo auf einer der vielen kleinen Inseln Neuseelands, etwa einen Monat später

 

Die Sonne brannte heiß vom Himmel und ein angenehmer warmer Wind wehte durch die Palmen und spielte mit den langen braunen Haaren der jungen Frau, die im Sonnenuntergang am klaren, blauen Ozean stand. Das warme Meerwasser umspülte in sanften Wellen ihre nackten Füße. Sie trug nur einen Bikini und um die Taille einen bunten Rock gebunden, der sich sanft im Wind um ihre Beine bewegte.

Irgendwann trat aus dem kleinen Palmenwäldchen vor dem Eingeborenendorf ein Mann und ging auf sie zu. Zärtlich schlang er die Arme um ihren Körper und sie schmiegte sich an ihn. Zusammen sahen sie sich den Sonnenuntergang an, während ihre Silhouetten im rötlichen Licht der Abendsonne zu einer verschmolzen. Es war vollkommener Friede um sie herum während sie so dicht aneinander geschmiegt im Meerwasser standen. Lediglich das laute Quieken einiger Äffchen war zu hören, die sich offenbar in den Palmen um Kokosnüsse stritten.

Irgendwann lösten die beiden Menschen sich voneinander und gingen langsam Hand in Hand den Hügel zu dem Palmenwäldchen hinauf. Auf halber Strecke lief ihnen ein anderes Pärchen entgegen und lachend begrüßten sie sich. Dann gingen sie unbeschwert zu viert zurück ins kleine Dorf.

Als die Sonne schließlich am Horizont verschwand und sich die Nacht über die kleine Insel legte, hüllte sie auch die Vergangenheit in Dunkelheit und gab den Weg frei in eine glückliche Zukunft… eine Zukunft voller Hoffnung und Liebe.

~ ENDE (Mai 2003)